Peter Trabner & der Baum "The Circle of Nature"

Erst kommt das Fressen, dann die Ökologie?

Sa, 27. Juli 2024 | 20:00 Uhr

Wind & Wetter Bühne!

Peter Trabner spielt einen Schauspieler, der für die Aufführung von Friedrich Hölderlins Textfragment „Der Tod des Empedokles“ probt. Dieses gilt als das erste Umwelt-Theater des Abendlandes. Der vorsokratische Philosoph brachte sich im Ätna um, Hölderlin brachte die Arbeit am Stück in die Psychiatrie. Trabners Spielpartner ist ein Baum: „Der Baum ist die Verbindung von Erde und Himmel“ erklärt er, „Mein Gott, das Konzept ist doch ganz klar!“ Teil des universellen Ganzen ist Empedokles, der nach seinem Tod im Ätna quasi in Rauch aufgegangen und seither in homöopathischen Dosen in allem enthalten ist – auch in der Luft, die wir atmen.
Es geht also um’s Ganze, um den „Circle of Nature“. Wenn es um’s Ganze geht, sind dem Schauspieler selbstredend während der Arbeit am Stück Currywurst, Fleisch, motorisierte Fahrzeuge verboten, ebenso Kleidung, die unter sozial nicht vertretbaren Umständen produziert wurde. Also fallen die verwerflichen Hüllen. Ohne Textilien aus Billigstproduktion steht der Schauspieler plötzlich so gut wie nackt unter dem Baum. Fast alles, was wir selbstverständlich benutzen, bringt anderswo mehr Leid als Nutzen – vom Schaden für die Umwelt gar nicht zu reden.
„The circle of nature“ ist mitreißend, irrwitzig und zuweilen so klarsichtig wie das Quellwasser aus der Plastik-Flaschen-Abfüllanlage des global agierenden Lebensmittelkonzerns, der das Vogelnest samt Küken als Firmenlogo nutzt. Trabner macht klar, dass die Menschheit auf dem besten Wege ist, sich in Gänze in den Ätna zu stürzen. Doch bei allem wahnsinnigen Wüten und wütendem Wahnsinn gibt es Rettung: Amazon liefert Hose, Hemd und Schuhe, und der Bequeme in uns allen gewinnt die Oberhand. Erst kommt das Fressen, dann die Ökologie – und nach dem Wissen die Bequemlichkeit.
Zurück bleiben Zuschauer, die nicht wissen, ob sie den Wüterich bejubeln oder einen Stein in den Spiegel werfen sollen, in den sie gerade schauten. Unberührt bleibt niemand bei dieser beeindruckenden Performance passend zur Klimakrise. Am Ende weiß man nicht, ob man an den richtigen Stellen gelacht hat. Ob es überhaupt etwas zu lachen gab.
„Oh innige Natur, ich habe dich vor Augen, erkennst du mich denn nicht, erkennst du mich denn nimmer, den hoch geliebten Freund?“

Vorverkauf 15 € | Abendkasse 20 €

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